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Sophie Berner: Willkommen, bienvenue, welcome

Sophie Berner: Willkommen, bienvenue, welcome

Kaum haben wir die Berliner „Bar jeder Vernunft“ betreten, uns in eine der engen Logen des „Spiegelzelts“ gezwängt, platzt es schon aus Sophie Berner heraus: „Kann ich beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin eigentlich noch einmal mitmachen?“, will sie wissen. Wie bitte? Hat sie nicht im Dezember 2005 den ersten Preis des Juniorwettbewerbs eingeheimst? Und hat sie dank ihres fulminanten Auftritts beim nationalen Gesangswettbewerb nicht zudem die Rolle der Sally Bowles in der Berliner Kult-Inszenierung von „Cabaret“ in der „Bar jeder Vernunft“ ergattert? Doch Sophie Berner meint die Frage ganz ernst. „Der Bundeswettbewerb war ein prägendes Erlebnis für mich“, schwärmt sie zwischen zwei Schlucken Milchkaffee, „weil ich mich bei der Vorbereitung noch einmal ganz neu kennen gelernt habe.“ Ihre hochindividuelle Repertoireliste, auf der die Mainstream-Musicals völlig fehlen, hat sie ganz alleine zusammengestellt. Und ist dabei bewusst manches Risiko eingegangen: „Für einige Stücke war meine Stimme noch nicht wirklich reif zu dem Zeitpunkt, als ich die Bewerbung abschicken musste. Das war durchaus als Herausforderung mir selber gegenüber gedacht: Bis zum Wettbewerb wollte ich das schaffen.“

Natürlich hat Sophie Berner vor dem Wettbewerb viele gut gemeinte Vorschläge von ihren Lehrern und Freunden bekommen, doch sie hat sich nicht aus dem Konzept bringen lassen – und ist damit letztlich bestens gefahren. „Das würde ich auch jedem empfehlen, der sich zum Bundeswettbewerb Gesang Berlin anmeldet: Traut euch was, singt wirklich nur die Sachen, zu denen ihr hundertprozentig steht.“ Im Fall der Münchnerin waren das vor allem Nummern mit mächtig „Power“ und solche, bei denen sie wirklich etwas erzählen kann.



So konsequent Sophie Berner ihre künstlerische Linie durchgezogen hat, so professionell war auch ihr Umgang mit dem Wettbewerbs-Stress. Obwohl sie beim Halbfinale in Berlin erst am Nachmittag dran war, kam sie schon frühmorgens in den Konzertsaal der Universität der Künste Berlin, um sich mit der Bühne vertraut zu machen. Als sie den gefürchteten Saal dann schließlich für das Vorsingen betrat, fühlte sie sich sicher, konnte abschätzen, wie sie die Akzente setzen musste, um unter den gegebenen Bedingungen beim Publikum anzukommen. „Am schlimmsten waren für mich die einleitenden Worte“, erzählt sie. „Dieses ,Hallo, mein Name ist und ich singe jetzt für Sie…’ habe ich wochenlang geübt, damit es natürlich klingt.“

Wie man als Künstler „richtig“ eine Bühne betritt, gehörte natürlich auch zu Sophie Berners Studienplan an der „Bayerischen Theaterakademie August Everding“. Die gebürtige Münchnerin war gerade 17 Jahre, als sie dort aufgenommen wurde. Bei sechs Musical- und zwei Schauspielschulen hatte sie sich nach der Mittleren Reife beworben. Dass es München wurde, war ein glücklicher Zufall. Vor allem Sophies Mutter fiel ein Stein vom Herzen, weil die Tochter zum Studium nicht die Stadt verlassen musste. „Alles, was ich kann, habe ich an der Theaterakademie gelernt“, sagt Sophie Berner heute. Ihren Ausbildern ist sie uneingeschränkt dankbar, auch wenn es am Ende zum Krach kam. Der Chef der feinsten Berliner Kleinkunstbühne „Bar jeder Vernunft“, Lutz Deisinger, der 2005 in der Jury des Bundeswettbewerbs Gesang Berlin saß, wollte Sophie Berner nach dem Abschlusskonzert im Friedrichstadtpalast vom Fleck weg als Sally Bowles für seine „Cabaret“-Produktion engagieren. Die 21-Jährige ließ sich die Chance nicht entgehen – und bewährte sich so brillant, dass sie einen langfristigen Vertrag bis April 2007 angeboten bekam. Für Dezember 2006 war allerdings ihr Examen in München festgesetzt. Sophie Berner bat darum, die Prüfungen extern abschließen zu können, die Münchner stellten sich stur - und sie schmiss die Schule.

Gisela May findet das überhaupt nicht schlimm. „Das Entscheidende ist die Praxis“, hat sie Sophie Berner zum Trost gesagt, „und die Leidenschaft.“ Letzteres hatte Sophie Berner schon immer, ersteres nach über 100 „Cabaret“-Vorstellungen mittlerweile auch. Weil Sophie Berner neben dem Jahresstipendium der Günter-Neumann-Stiftung beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin 2005 auch noch der von Gisela May gestiftete Chansonpreis zuerkannt worden war, durfte sie die große Diseuse, Schauspielerin und Sängerin persönlich treffen. Bis auf den Altersunterschied – unbedeutende 61 Jahre – trennt die beiden Frauen wenig. Sie haben Power, sind vielseitig interessiert und wollen sich darum nicht in Schubladen pressen lassen. Zum Abschied gab’s das schönste Kompliment, dass sich eine Newcomerin von einer erfahrenen Kollegin wünschen kann: „Ich sage ihr eine große Karriere voraus!“

Beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin dürfte Sophie Berner übrigens tatsächlich ein zweites Mal mitmachen: Weil sie 2005 im Juniorwettbewerb angetreten ist, steht ihr noch bis zur Vollendung ihres 28. Lebensjahres der Hauptwettbewerb offen. Falls sie Zeit dazu findet.



Frederik Hanssen




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