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Andreas Gergen: Die Geschichte vom Schweinehund

Frederik Hanssen
 Es ist immer wieder die Geschichte vom Schweinehund. „Beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin teilzunehmen, hat mich wirklich Überwindung gekostet“, gibt Andreas Gergen unumwunden zu. Dennoch hat er es 1997 gewagt. Da war der gebürtige Saarländer gerade zwei Jahre lang Student an der Berliner Universität der Künste. Zwar hatte er am Staatstheater Saarbrücken das Bühnenleben von der Pike auf gelernt, hatte im Extrachor gesungen, im Tanzensemble mitgemacht, alle Sparten der „ernsten Kunst“ kennen und das Musical lieben gelernt – und doch war es eine große Herausforderung, sich bei diesem wichtigsten nationalen Kräftemessen anzumelden: „Man muss ja ein Riesenrepertoire angeben, aus dem die Jury frei auswählen kann“, erinnert er sich. „Deshalb muss jedes Stück absolut sauber gearbeitet sein.“ Wochenlang hat er damals für den Wettbewerb trainiert, hat die Nummern erst auf eigene Faust erarbeitet, um sie dann testweise den Kommilitonen vorzuspielen.

 Der Stress hat sich für Andreas Gergen gelohnt: Er konnte einen der begehrten Preise absahnen. Unvergesslich bleibt ihm, wie damals in Windeseile das Preisträgerkonzert zusammengestellt und geprobt wurde, was für einen Nervenkitzel die Show für alle Beteiligten bedeutete: Da war es, das unbeschreibliche Gefühl, vor einem begeisterten Publikum im ausverkauften Haus auf einer großen Bühne zu spielen!
 Dennoch ging Andreas Gergen hinterher wieder in die Uni zurück, absolvierte weitere zwei Jahre, machte seinen Abschluss. Die Kontakte, die er beim Wettbewerb geknüpft hatte, erwiesen sich beim Berufseinstieg als hilfreich.

 Andreas Gergen hat seinen Weg gemacht: Er spielte im „Glöckner von Notre Dame“ mit, der Eröffnungsinszenierung des Theaters am Potsdamer Platz, gründete dann mit Freunden die „Toys Musical Production“, brachte Off-Hits wie „Du bist in Ordnung, Charlie Brown“ heraus, wechselte ins Regie-Fach, wurde Intendant des Berliner Schlosspark-Theaters, mischte die hauptstädtische Musical-Szene mit der fulminanten Inszenierung von „Pinkelstadt“ auf, arbeitete als Projektmanager für die „Stage Entertainment“ in Hamburg, wagte dann den Schritt in die Selbständigkeit. Sein jüngster Coup war die Welturaufführung eines „Graf von Monte Christo“-Musicals im März im schweizerischen St. Gallen.

 Und doch blieb auch Andreas Gergen – bei allem Erfolg – eine Erfahrung nicht erspart: So ein Schweinehund ist anhänglich. Er begleitet einen das ganze Künstlerleben lang. Darum gibt er Nachwuchstalenten vor allem einen Rat mit auf den steinigen Weg ins Entertainment-Business: „Bleibt immer kreativ und leidenschaftlich, verlasst euch nicht darauf, dass man auf euch zukommt, schafft Gelegenheiten, um auf euch aufmerksam zu machen, durch Solo-Programme, zu denen ihr Intendanten einladen könnt, durch selbst produzierte Promo-CDs.“ Das schlimmste, findet Gergen, sind Künstler, die wochenlang neben ihrem Telefon hocken und sich beschweren, dass sich niemand bei ihnen meldet. Außer dem Schweinehund natürlich.

 Auch wenn die erfolgreiche Teilnahme am Bundeswettbewerb Gesang Berlin kaum einem der Preisträger die Mühsal der Auditions erspart, so wird dieses „Gütesiegel“ im Lebenslauf positiv wahrgenommen, findet Gergen. Er muss es wissen, denn er saß schon zweimal in der Jury, war 2007 sogar Vorsitzender. „Während der Wettbewerbsrunden lernt man alle Facetten der Kandidaten kennen – dabei wachsen sie einem richtig ans Herz“, berichtet er. Wenn der Regisseur ihnen dann bei einer Audition wieder begegnet, steigen schnell Erinnerungen auf. Vor allem, wenn die Kandidaten in Berlin gezeigt haben, dass sie zu jener Sorte Mensch gehören, die sich gerne selbst herausfordern. Für die gilt nämlich die alte Bühnenweisheit: Schweinehunde, die bellen, beißen nicht.

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