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ERGEBNISSE DER UMFRAGE

 Im Februar 2010 ließ der Bundeswettbewerb Gesang Berlin e. V. (Trägerverein des BWGB) durch das Berliner Institut für Kultur-Markt-Forschung (IKMF) eine telefonische Umfrage unter den renommiertesten in Deutschland unterrichtenden Gesangspädagogen durchführen. Dabei sollten Erkenntnisse über die Wahrnehmung des Wettbewerbs und Verbesserungsvorschläge gewonnen werden. Thema der Umfrage ist die Sparte Oper/Operette/Konzert des BWGB, die im Herbst 2010 wieder zum Wettbewerb ausgeschrieben ist. Mittelfristiges Ziel ist es, die Anzahl hochklassiger Kandidaten in dieser Sparte zu erhöhen.

 71 Pädagogen nahmen an den halbstündigen Interviews teil, was einer guten Response von 65,1% entspricht. Die befragten Pädagogen stammen aus allen Bundesländern, unterrichten größtenteils an Musikhochschulen (84,5%) und haben bzw. hatten häufig eine Professur inne (83,1%). Dem hohen Renommee entsprechend überwiegen langfristige Unterrichtsdauern (über die Hälfte unterrichtet mehr als 20 Jahre), und der Altersschwerpunkt liegt entsprechend eher im mittleren bis höheren Bereich (nur 14,7% sind bis 45 Jahre alt). Bei einer Teilstichprobe (n = 37) wurde nach dem Ausländeranteil unter den Schülern gefragt; dieser liegt im Mittel bei 43,0% und ist eine der Ursachen für die Nicht-Teilnahme am BWGB (s. u.).

 Der BWGB erreicht unter den Pädagogen eine sehr hohe Bekanntheit (97,2%). In einer offenen Frage beschreiben die Pädagogen das Image des BWGB als sehr positiv und weisen ihm eine hohe Bedeutung als wichtiger bzw. wichtigster nationaler Gesangswettbewerb zu, die nationale Komponente wird positiv hervorgehoben. Darüber hinaus erscheint das Image mit vielfältigen Facetten besetzt (z. B. Podium/Öffentlichkeit, berufliches Fortkommen, Preise und Engagements, Sich-Messen mit anderen). Von 69 Pädagogen sprechen sich in einer offenen Frage nur 5 Lehrer gegen eine nationale Ausrichtung des BWGB aus, einer ist unentschieden, und 63 Pädagogen befürworten eine nationale Positionierung des BWGB als spezielles Förderinstrument für den deutschen Gesangsnachwuchs. Bei der Frage nach anderen bekannten klassischen Gesangswettbewerben werden von 390 Nennungen am häufigsten internationale Wettbewerbe im In- und Ausland genannt: der Internationale Musikwettbewerb der ARD (45x), Neue Stimmen (33x), der Internationale Hans Gabor Belvedere Wettbewerb in Wien (29x), der Reine-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel (21x). Es folgen die Dutch International Vocal Competition in ‘s-Hertogenbosch (18x), die International Singing Competition Francisco Viñas in Barcelona (16x) und der Internationale Robert-Schumann-Wettbewerb für Klavier und Gesang (13x). Fast alle Pädagogen (93,0%) schicken Schüler zu anderen klassischen Gesangswettbewerben, was angesichts der Zielgruppe (renommierte Gesangspädagogen) nicht anders zu erwarten war, aber auch zeigt, dass sich der BWGB als nationaler Wettbewerb erfolgreich in einem starken nationalen und internationalen Konkurrenzumfeld bewährt.

 Bisher haben 56,3% der befragten Pädagogen schon Schüler zum BWGB geschickt (29,6% 2008, 7,0% 2006 und 19,7% früher). Den Nutzen des BWGB bzw. die Motivation, ihre Schüler teilnehmen zu lassen, beschreiben die 26 Pädagogen, die 2006/2008 Schüler zum BWGB geschickt haben, in einer offenen Frage. Am häufigsten (17 Nennungen) wird die Möglichkeit des Vergleichs, des Sich-Messens mit anderen genannt. Weitere Vorteile sehen die Pädagogen u. a. in Leistungsansporn/Entwicklungsschüben (8x), Präsentation vor (Fach-)Publikum und den sich daraus ergebenden Kontakten (7x), Preisen/Engagements (6x) und dem Üben der Konkurrenzfähigkeit bzw. des Durchsetzungsvermögens als Berufsvorbereitung (6x). Die Pädagogen verbinden also eine Vielzahl von positiven Aspekten mit dem BWGB. In der anhand von Aussagen gestützten Abfrage zum Nutzen bestätigen die Pädagogen außerdem, dass vom Bundeswettbewerb ein vielschichtiger und nachhaltiger Nutzen für die Schüler ausgeht, also der BWGB insgesamt einen wichtigen Beitrag zur Förderung des deutschen Gesangsnachwuchses leistet. D. h. die Pädagogen erkennen an, dass der BWGB seine ambitionierten Ziele weitgehend erfüllt: Es werden positive Impulse gegeben (zusätzlicher Leistungsansporn 92,3%, Lernziel: Leistung auf den Punkt abrufen 80,8%), inhaltlich die richtigen Ziele gesteckt (gut mit den eigenen Lernzielen abgestimmte Repertoireanforderungen 69,2%), gute Möglichkeiten der Präsentation vor Fachpublikum und der Öffentlichkeit geboten (88,4%), mit qualifizierten Beratungsgesprächen die weitere Entwicklung gefördert (34,6%) und mit den anwesenden Multiplikatoren (Agenturen, Operndirektoren etc.) und den Möglichkeiten zu Engagements wichtige Hilfestellungen beim Berufseinstieg geleistet (80,7%).

 Pädagogen, die 2006/2008 teilnehmende Schüler hatten, wurden um Bewertungen gebeten. Die BWGB-Teilnahme übt nach Meinung der Mehrheit der Lehrer positive oder sehr positive Effekte auf die Schüler aus, und zwar vor dem Wettbewerb (80,0%) noch stärker als nach dem Wettbewerb (64,0%). Keinen Einfluss sehen vor dem Wettbewerb 16%, danach 24,0%, negative Effekte vorher nur 4,0% und nachher 12,0% (meist begründet, dass Schüler Kritik, den Wettbewerbsstress oder die Enttäuschung des Nicht-Gewinnens oder Nicht-Weiterkommens erst einmal nicht so gut verkraften). In der Summe kann man also davon ausgehen, dass der größte Teil der Schüler nach Lehrermeinung vom BWGB profitiert und sich neben den systemtypischen Risiken für alle Wettbewerbe keine Schwächen beim BWGB zeigen. Die organisatorischen Bedingungen und Rahmenbedingungen des BWGB erhalten auf einer Schulnotenskala größtenteils gute und sehr gute Bewertungen von den Antwortenden. Dies betrifft die Bereiche Betreuung der Teilnehmer durch die Geschäftsstelle, telefonische Erreichbarkeit der Geschäftsstelle, Anzahl der Wettbewerbsrunden, regionale Verteilung der Wettbewerbsorte, Menge der Preise, Atmosphäre der Finalrunden und Rahmen des Preisträgerkonzertes. Moderate Kritik (< 12% Unzufriedene aller Befragten) besteht an den Aspekten Organisation der Vorauswahlen, Möglichkeiten zu Engagements und Atmosphäre während der Vorauswahlen. Dies sind keine hohen Anteile an Unzufriedenheit, sondern gerade bei der Organisation der Vorauswahlen und der Atmosphäre der Vorauswahlen eher Einzelfälle, bei denen der BWGB eine noch bessere Leistung innerhalb des größtenteils schon als gut oder sehr gut bewerteten Organisationsrahmens anstrebt. Die Jurys der Vorrunden und Finalrunden wurden ebenfalls mit Schulnoten bewertet. Im Wesentlichen gute Zufriedenheit (∅ 1,6 bis 1,9) besteht in Bezug auf Kompetenz, Größe und Ausgewogenheit der Zusammensetzung. Über neun Zehntel der Pädagogen halten die Unterteilung in Juniorwettbewerb und Hauptwettbewerb für sinnvoll, hier ist der BWGB also richtig positioniert. Bei der Gesamtzufriedenheit zeigen die Pädagogen ebenfalls eine hohe Wertschätzung für den BWGB; rund neun Zehntel sind sehr zufrieden (40,0%) oder zufrieden (48,0%), nur 12,0% werten mit teils/teils. Die Kategorien eher unzufrieden und sehr unzufrieden werden nicht genannt.

 In der ungestützten Abfrage, warum die Pädagogen 2006/2008 keine Schüler zum BWGB geschickt haben, wird am häufigsten ein hoher Ausländeranteil in der Klasse genannt (13x, trifft bei knapp einem Drittel der befragten 40 Pädagogen zu). 12x wird der Bereich Anfänger / zu jung / nicht weit genug genannt, es folgen die Gründe neu erteilte Professuren/Lehraufträge (8x), Teilnahme an anderen Wettbewerben (7x), andere Zielgruppen, Engagements der Schüler, Ehrgeiz für Schülererfolge (je 5x). Weitere Bereiche sind u. a. der längere/spätere Ausbildungsgang der Deutschen, der Wunsch nach Eigeninitiative der Schüler, unpassende Termine, Belastungen durch Nebenfächer an der Hochschule. Unbedingt positiv für den BWGB zu werten ist, dass hier keine Qualitätskriterien des Wettbewerbs als Hinderungsgründe genannt werden. Auch das Renommee des Bundeswettbewerbs wird im nationalen Vergleich nicht infrage gestellt. Die am häufigsten genannten Gründe (Ausländeranteil, Anfänger / zu jung / nicht weit genug, neu erteilte Professuren/Lehraufträge) sind nicht vom BWGB in seiner derzeitigen Ausrichtung als nationaler Wettbewerb abzuändern. Bei der gestützten Abfrage der Hinderungsgründe für die Nicht-Teilnahme am BWGB wird ebenfalls deutlich, dass Nicht-Teilnahme nur zu einem kleinen Teil vom BWGB beeinflusst wird. Bei rund drei Vierteln waren Institut für Kultur-Markt-Forschung (mindestens teilweise Zustimmung) die Schüler nicht weit genug. Positiv für den BWGB ist zu werten, dass qualitative Aspekte und Rahmenbedingungen des Wettbewerbs nur von kleineren Anteilen (zumindest teilweise) kritisiert werden. Ansonsten scheinen Repertoire, inhaltliche Ausrichtung und Transparenz im Wesentlichen den Erwartungen der Lehrer zu entsprechen.

 Angesichts der bereits hohen Zufriedenheit in vielen Bereichen wird der BWGB als Resultat dieser Umfrage über einige optimierende Maßnahmen nachdenken. Vor allem aber ist angestrebt, einen verstärkten Dialog mit den Pädagogen zu suchen sowie Pädagogen, potenzielle Teilnehmer und die musikinteressierte Öffentlichkeit noch besser über den Bundeswettbewerb zu informieren.



 Weitere Informationen:

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 Rodenbergstr. 27
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